Kriegsjahre

Im Laufe der Jahre nahm in Emden, wie auch sonst im gesamten damaligen Deutschland, die Unzufriedenheit in der Bevölkerung zu, was zur Folge hatte, dass die Rechtsextremen regen Zulauf hatten. Das Heer der Arbeitslosen schürte die Atmosphäre eines Radikalismus, der zu weltpolitisch riskanten Abenteuern drängte. Hitler wurde 1933 Reichskanzler und in Europa gingen die Lichter aus. 

Die EVAG blieb davon nicht unberührt. Für kurze Zeit begann wieder der Linienverkehr nach Südamerika, welcher jedoch durch die Bremer gestört wurde, die das Geschäft lieber über ihren Hafen abwickeln wollten. Wie andere Unternehmen, versuchte sich die EVAG erfolgreich in der Getreidespedition. 1935 schaffte sich das Unternehmen das Motorschiff „Hanna“ an, das auf der Arminius Werft in Bodenwerder gebaut wurde. Mit der „Emma Luise“, die im Jahr 1936 bei der Elsflether Werft vom Stapel lief, war die Zeit der Neuanschaffungen zunächst einmal vorbei. Um die eigenen Binnenschiffe zu betreuen, denen ja noch nicht die Telekommunikationsmittel unserer Zeit zur Verfügung standen, entschloss sich die EVAG, eine Geschäftsstelle in Duisburg zu errichten. Dank der breiten Fächerung im Leistungsangebot gestalteten sich die Geschäftsergebnisse entsprechend ertragreich und so war die Zeit gekommen, an die Zukunft zu denken und Beteiligungen bei anderen Gesellschaften zu erwerben, und zwar namentlich der Elevatorgesellschaft mbH, der Ems-Schlepper A. G., der Emder Getreide Lüftungs- und Trocknungs-GmbH, der Emder Lagerhausgesellschaft mbH und der Emder Schiffsausrüstung GmbH. 

Mehr auf Stimmenfang ausgerichtet als auf wirkliche Besserung der Lebensverhältnisse, verfehlte dennoch die Politik des neuen Reichskanzlers nicht ihre Wirkung, weder im übrigen Deutschland noch bei großen Teilen der Emder Bevölkerung. Die Arbeitslosigkeit nahm ab und es wurde fleißig aufgerüstet. 



Die Stimmung gegen die große jüdische Gemeinde in Emden, die eng mit der Geschichte Emdens verbunden ist, wuchs politisch getrieben stetig. Das erfuhr auch der bereits erwähnte Mieter der Wohnung im EVAG Gebäude, Dr. Kretschmer, dessen Praxis in Zeiten des Nationalsozialismus zunehmend weniger einbrachte. Spätestens als ihm als jüdischer Arzt das Praktizieren verboten wurde, musste er die Wohnung am Schweckendieckplatz 1 im Jahre 1938 aufgeben. 

Zwischen 1939 und 1945 tobte eines der finstersten Kapitel deutscher Geschichte. In der Nacht der Pogrome am 9. November 1938 ließ Goebbels die Synagogen, eine stand in der heutigen Boltentorstraße, in Brand setzen und die erbarmungslose Verfolgung der Juden begann. 

Während der Krieg wütete, gab es bei dem HAPAG Emporkömmling, der EVAG, viel zu tun – Rüstungstransporte, Rohstoffversorgung, Militärtransporte und vieles mehr. Im November 1939 verkaufte die HAPAG ihre gesamten Aktien an die Schlesische Dampfer - Compagnie - Berliner - Lloyd A. G., wodurch die EVAG zu einhundert Prozent Tochter dieses Unternehmens wurde.  

Die Zeiten mit der finanziell sehr starken und renommierten HAPAG im Hintergrund waren vorbei. Man tröstete sich mit der Tatsache, dass die Schlesische Dampfer Compagnie zu fast achtzig Prozent der HAL gehörte und somit eine weiterhin gute Zusammenarbeit gewiss war. 

Diese Sicherheit währte jedoch nicht lang und es traf das Emder Unternehmen hart, als 1941 das gesamte Aktienpaket zum Reichswerk AG für Binnenschifffahrt „Hermann-Göring“ wechselte. Den Staat im Rücken und nahezu ausnahmslos auf die Binnenschifffahrt gestellt, gehörte die Zeit der Expansion der Vergangenheit an. Zwar versuchte man wieder in Mutters Schoß, also zur HAPAG zurückzukehren, jedoch blieben solche Schritte vorerst ohne Erfolg. Der Grund war, dass die HAPAG zunächst Kapital zur Wiederherstellung der eigenen Flotte aufbringen musste und deshalb nicht die finanziellen Mittel aufwenden konnte, die EVAG-Aktien zurückzukaufen.

Das Ende des Krieges bedeutete wiederum Unterbeschäftigung. Achtundsiebzig Prozent der Stadt Emden waren zerstört, die Werften verwüstet und es fehlte ihnen an Aufträgen. Die gesamte heimische Flotte von sechsunddreißig Schiffen mit über 200.000 Tonnen Laderaum war verloren (vgl. Emden 1945 - 61, Dr. Bernhard Schöer, S. 36). 

Die Stadt Emden war nach dem Zweiten Weltkrieg fast vollständig in Trümmer gelegt. Am 5. Mai 1945 wurde Frickenstein zum Oberbürgermeister ernannt und im folgenden Jahr übernahm Susemihl dessen Amt.

In den Jahren 1946 bis 64 galt es vordringlich, die entstandenen Kriegsschäden zu beseitigen. In den folgenden Jahren wurde der alte Binnenhafen ausgebaut und durch den neuen Binnenhafen entstand ein neuer Hafenbereich. Eine minimale Belebung brachte die Versorgung der hungernden deutschen Bevölkerung durch ausländisches Getreides, von dem ein Teil über Emden angelandet wurde.



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Eine gute Dokumentation über die große jüdische Emder Gemeinde finden Sie hier